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Band-Chronik (3)

Anlass zu Musu's Alleingang mit "das süsse Leben" hatten diverse Zerwürfnisse gegeben, die die Produktion des Erstlings "Misanthropolis" nach sich gezogen hatte. Dessen Fertigstellung war in eine Zeit gefallen, als die Götter in ihrer Mehrzahl nicht sonderlich begnadete DJ's waren und jeder, der sich ein Instrument umhängte, in den pauschalen Verdacht geriet, sich auch Konzertkarten für Eric Clapton zu kaufen. Kurz: etwas ewiggestrigeres und armseligeres als ein Mensch mit einem Saiteninstrument liess sich nicht denken.
Das damalige Trio fand den Tritt nicht mehr und hatte sich sozusagen aufgelöst. Folgerichtig plemperten Pattu und Fab zu jener Zeit mit elektronischen Gerätschaften und deren Bedienungsanleitungen herum. Fab driftete in den Ethno-Bereich ab, Pattu fing an zu programmieren. Musu versuchte sich währenddessen im Schauspielfach und schrieb auch das Drehbuch zum Film "Intriegenschmiede", dessen Soundtrack auch auf "das Süsse Leben" vorkommt. Pattu und Musu traten zu dieser Zeit vereinzelt mal wieder mit betont minimalistischem Instrumentarium auf: mal unter der Präambel einer Lesung, zuweilen auch in Form eines Konzerts.
Dabei hatte es doch kurz vorher noch wirklich rosig ausgesehen: mit der CD "Misathropolis" war ihnen soeben ein recht würdiger Rückblick auf das Schaffen der frühen Jahre gelungen. Auf artifizielle Weise zwar, denn eine Person, die nach ihren Wünschen den Bass gespielt hätte, so dass sie wieder hätten auftreten können, liess sich beim besten Willen nicht finden. So war die CD ein Konstrukt, das nie auf die krachende und unmittelbare Weise der früheren Auftritte getauft oder aufgeführt werden konnte. Dennoch, die CD war ein längst fälliges Zeugnis der Zeiten vorher, als Sein in hartnäckigster Weise immer wieder neue, irritierende Programme erarbeitete. Kurz vor den Aufnahmen war es das ehrgeizige "Minna Murr"-Programm, eine Art Rockoper der Behinderungen, dessen Fertigstellung am Durchhaltewillen scheiterte, vor allem jenem der wechselnden BassistInnen. Kein Jahr vorher, mit Inge Mokry am Bass, gelangen ihnen zwischenzeitlich noch ein paar ganz ansehnliche Live-Auftritte, der hübscheste zusammen mit "Test Departement" in Bregenz.

Noch kurz zuvor - ebenfalls im Angesicht einer Personal-Krise - hatten Pattu und Musu mit dem minimalistischen und verstörenden "Pschyrembel"-Programm die Hörerschaft nachhaltig geschockt:
Das zum Duo geschrumpfte Sein breitete vor der Kulisse einer mechanischen trommelnden Mumie im Rollstuhl menschliche Gebresten und Seuchen in ihrer ganzen Üppigkeit aus, und ernteten damit vor allem grandioses Unverständnis. Dass dieses eher introvertierte Konzeptwerk so überhaupt nicht rezipiert werden wollte, lag nicht nur an der unappetitlichen Thematik, sondern auch an der Erwartungshaltung des Publikums. Dieses hatte sich in den Jahren vorher an das trashige und holprige Sein gewöhnt, so wie es etwa mit einer stringenten Interpretation von "Born in the U.S.A." anlässlich eines Festes zum Stadtgespräch geworden war.
Das damalige Rumpel-Rock-Machwerk mit dem charismatischen Diego "Smut aka. Snur" Zweifel (der seinen Bass beizeiten gegen zwei MKII eintauschte) hatte zwar auch keine Gelegenheit ausgelassen, das Publikum mit sperriger Musik und Dichtung zu vergraulen - doch immerhin ging es mit Garantie immer laut, frech und ziemlich geschmacklos zu und her dabei und das Bier war einem nicht vor Schreck im Halse steckengeblieben. Das lärmige Element war eher eine vorübergehende Zeiterscheinung gewesen, begünstigt durch schicksalshafte Begegnungen und befreundete Bands, die es zu dieser Zeit krachen liessen.
Ganz zu Anfang, als Sein im Wohnzimmer von Musu und Pattu entstand, hatte deren Musik weniger Kanten, war mit Einschränkungen dem New-Wave zuzurechnen, mit Einflüssen von "Dead can Dance" oder "Cocteau Twins". Nur die Dichtung zu den Liedern, die war auch vor 20 Jahren schon ganz unzeitgemäss deutsch, wortreich, abgründig und mitunter bösartig.
Halten wir uns nicht weiter auf mit Geschichte: auf Reminiszenzen an die frühen Jahre warten unsre ZuhörerInnen vergebens. Das neue Programm beleuchtet fast nur den ersten Teil dieser Geschichte.